Wasserwerk in Fuldatal-Wilhelmshausen wurde im laufenden Betrieb erneuert

Das Wasserwerk in Wilhelmshausen wurde ein Jahr lang bei laufendem Betrieb technisch erneuert. Das Wasser kommt bei den Fuldatalern jetzt digital gesteuert aus dem Hahn.

Fuldatal – Ein bisschen war es wie Tetris spielen, nur im realen Leben und bei höchstem Schwierigkeitsgrad. Denn die Ingenieure und Projektleiter Eva Weller und Michael Rempe vom Ingenieurbüro Oppermann aus Vellmar haben bei laufendem Betrieb ein Jahr lang das in die Jahre gekommene Wasserwerk in Wilhelmshausen umgebaut und modernisiert.

„Da muss man genau schauen, welche Verbindungen man berücksichtigen muss und was passiert, wenn was ausfällt“, sagt Weller.

Auch die Architektur des Hauses wurde erneuert

Am Ende sind 40 Meter Rohrleitung durch die Vereinfachung der Abläufe verschwunden und die alten Guss- und PVC-Rohre durch Edelstahlrohre ersetzt worden. Zudem wurde die technische Ausrüstung wie Pumpen, Armaturen und Wasserzähler sowie die gesamte Elektro- und Steuertechnik erneuert.

„Jetzt kann man nichts mehr wegnehmen. Jetzt ist alles strukturiert und man kann nichts mehr verbessern“, sagt Michael Rempe.

Auch in die Architektur des Hauses am nördlichen Ende von Wilhelmshausen, das im Wasserschutzgebiet steht, haben die Ingenieure eingegriffen. So wurde das Flachdach erneuert und verändert und der ehemalige Zugang zu den Wasserkammern durch eine wasserdruckdichte Tür ersetzt.

Technik war noch auf dem Stand von vor 50 Jahren

Jetzt kann man, wenn man im Bauch des Wasserwerks steht, wie in einem U-Boot durch Luken in die Wasserkammer hineinschauen.

Auch die Kammer selber wurde erneuert und neu ausgekleidet. Bisher war sie mit Fließen verkleidet. Die waren mittlerweile in schlechtem Zustand, lösten sich teilweise, weil auch der Mörtel angegriffen war. Nun wurden Kunststoffplatten aus Polyethylen eingesetzt.

Überhaupt war die Technik auf dem Stand von vor 50 Jahren. „Der Schaltschrank hatte noch die Erstausstattung von 1972 mit Keramiksicherungen“, sagt Rempe. Die seien mittlerweile eine Rarität, Ersatzteile nur noch auf dem Flohmarkt zu bekommen.

Anlage ist fernüberwacht und kann digital gesteuert werden

Seit März wird das Wasserwerk nun mit modernster Technik digital gesteuert. So können Kevin Terno und Stefan Schütze, die bei der Gemeinde als Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik arbeiten, über ein Display sehen, wie viel Wasser gerade verbraucht wird und aus welchem Hochbehälter es kommt, erklärt Schütze.

Seit 26 Jahren arbeitet er bei der Gemeinde und es sei vieles einfacher geworden durch die Modernisierung. „Ich kann mich über alles informieren, egal wo ich gerade bin“, sagt Schütze. Denn die Anlage sei fernüberwacht.

Die Meldungen über Wasserstand- und verbrauch laufen auch auf seinem Smartphone und Laptop ein. „Ich könnte sogar aus der Ferne einen Schieber auf und zu machen“, erklärt der 61-Jährige.

Umbau führt zu erheblichen eingesparten Energiekosten

Heute müssen die Pumpen nicht mehr ständig Hochleistung bringen, denn sie werden genau auf den Wasserverbrauch abgestimmt. „Die machen nur noch, was nötig ist und fahren nicht immer Vollgas“, sagt Rempe. So hat der Umbau auch dazu beigetragen, erhebliche Energiekosten einzusparen.

Eine der alten gusseisernen Rohrleitungen steht jetzt bei Rempe und Weller im Büro. Die ursprünglich 15 Zentimeter Innendurchmesser sind in diesem Rohr über die vielen Jahre zu acht Zentimetern geworden, weil sich Kalzium, Magnesium und Eisen mit der Zeit am Innenrohr abgesetzt haben.

„Das ist wie beim Menschen, wenn die Arterien verkalken“, erklärt Rempe. Um die gleiche Menge Wasser durchzupumpen, benötige es mehr Druck und Geschwindigkeit und deshalb mehr Energie. Jetzt fließt das Wasser wieder ohne Widerstand und kommt digital gesteuert bei den Fuldatalern aus dem Hahn.

Quelle: HNA (Hessische Niedersächsische Allgemeine Zeitung)

Foto: © Amira El Ahl